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Kinder fördern, fordern, überfordern?

Wissen und Bildung sind heute unbestritten wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Berufsleben.

Spätestens nach Einführung und Auswertung der europaweiten PISA-Studie hat der internationale Wettbewerb um schlaue und gebildete Jugendliche begonnen und wird quasi zum Aushängeschild ganzer Gesellschaften.

Da ist es kein Wunder, dass Eltern ihre Kinder von klein auf fördern möchten. Das kann doch für die Chancen und die Entwicklung der Kleinen nur gut sein! Oder?

 

Im Prinzip ja. Allerdings zeigt die Hirnforschung: Kinder sind keine Gefäße, die sich nach Belieben füllen lassen.

Schon direkt nach der Geburt verfügt das Gehirn über mehr als 100 Milliarden Nervenzellen, die durch 50 Billionen Verbindungen miteinander verknüpft sind und die Neugeborenen sehr aktiv und individuell ihre Umwelt erleben lassen. Durch Anreize verzwanzigfachen sich diese Verknüpfungen bis zum achten Lebensmonat.

Die einmal gelegte Struktur scheint grundlegend für die weitere Entwicklung und besonders widerstandsfähig gegenüber neuen Einflüssen zu sein.

 

Der folgerichtige Schluss darf an dieser Stelle jedoch nicht sein, dass Eltern ihre Kinder schon als Kleinkind zum Sport, in Musikkurse oder in den Englischunterricht schicken müssen, um ihm den Zugang zu Fremdsprachen, Musikalität und sportlicher Leistungsfähigkeit zu ermöglichen. Viel wichtiger ist, den jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes feinfühlig zu erkennen und zu berücksichtigen. Ansonsten können Kinder mit dem unterbreiteten Angebot schnell überfordert sein. Das wiederum führt nicht selten zu Frustration, Unwillen und Stress.

Jede Entwicklung sollte vom Kind ausgehen. Und hier können Eltern wirklich beruhigt sein. Sie wird vom Kind ausgehen, sofern es körperlich und geistig gesund ist. Denn es liegt in unserer Natur, lebenswichtige Dinge erlernen zu wollen und nützliche Verhaltensweisen von Vorbildern zu kopieren. Deshalb ist häufig das gemeinsame Alltagserleben mit dem Kind auch lehrreicher und vor allem schöner als das Abliefern beim Französischkurs für Vorschüler.

 

Erfahrungen sammeln und lernen heißt auch, mit verschiedenen Materialien zu experimentieren. Pappkisten, Stoffreste und Farben ersetzen die meisten vorgefertigten Spielwaren. Denn damit können die Kinder selbst gestalten. Dafür brauchen sie einen Ort, an dem sie arbeiten und ausprobieren können, ohne gleich etwas kaputt zu machen, zu stören oder ein „Räum auf!“ zu hören.

Um Kreativität beim Kind anzustoßen, müssen Eltern Folgendes aushalten: Langeweile. Ein ständig fremdbespieltes Kind hat schlicht keine Not, sich selbst zu beschäftigen. Aus der Langeweile heraus wird es bestimmt die für es passenden Lernschritte ganz alleine finden – wenn denn das Angebot durch die Eltern stimmt.

 

Deshalb heißt die Hauptaufgabe für Eltern bei der Entwicklungsunterstützung der Kinder:

 

Da sein, Vorbild sein und ausprobieren lassen. Nur so kann ein Kind seine individuellen Stärken entdecken und ausbilden.

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